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Die Bienenkönigin: Herz und Seele des Volkes

Ohne sie läuft im Stock nichts: Die Königin ist die einzige Biene im Volk, die befruchtete Eier legt – und damit die Quelle aller Arbeiterinnen, der Brut und des gesamten Jahreszyklus. Und doch ist sie keine Herrscherin, die Befehle gibt. Sie ist eher das Herz des Biens: Sie gibt den Takt vor, während die Arbeiterinnen das Tempo bestimmen. In diesem Artikel erfährst du, wie aus einem Ei in 16 Tagen eine Königin wird, was auf dem Begattungsflug passiert, wie viel eine gute Königin wirklich leistet – und woran du erkennst, dass im Volk etwas nicht stimmt.

Warum die Königin kein Chef ist

In der Vorstellung vieler Menschen regiert die Königin ihren Staat. Tatsächlich ist das Gegenteil der Fall: Die Königin ist das reproduktive Organ des Volkes – vergleichbar mit einem Organ in einem Körper. Ob gebaut, gefüttert, geputzt, verteidigt oder geschwärmt wird, entscheiden die Arbeiterinnen.

Das zeigt sich am deutlichsten, wenn das Volk mit seiner Königin unzufrieden ist: Es zieht einfach eine neue heran. Der Imker spricht dann von der stillen Umweiselung. Die alte Königin legt währenddessen weiter Eier – sie wird erst abgesetzt, wenn die junge sich bewährt hat. Manchmal legen für Wochen oder Monate zwei Königinnen gleichzeitig. Wer das Volk als Organismus versteht (siehe dazu unseren Artikel Der Bien), für den ist das kein Widerspruch, sondern Regulierung.

Der Duft hält das Volk zusammen

Die Königin verbreitet über ihre Mandibeldrüsen einen Pheromoncocktail, der die Arbeiterinnen ruhig hält, ihre Eierstöcke unterdrückt und die Einheit des Volkes herstellt. Zusätzlich hinterlässt sie einen Fußabdruck-Duft auf den Waben. Fehlt dieser Duft, verändert sich das ganze Volk binnen Stunden: Es wird unruhig, laut und beginnt nachzuschaffen. Das ist der wichtigste Grund, warum ein Volk bei einer Durchsicht nicht lange ohne Königin bleiben darf.

In 16 Tagen zur Königin: die 3-5-8-Regel

Jede Königin beginnt als befruchtetes Ei – genau wie jede Arbeiterin. Aus demselben Erbmaterial entsteht ein völlig anderes Tier, nur weil die Larve anders ernährt wird. Die Entwicklung verläuft kurz und exakt:

Stadium Dauer
Ei 3 Tage
Larve 5 Tage
verdeckelte Puppe 8 Tage

Summe: 16 Tage. Am 16. Tag schlüpft die junge Königin. Zum Vergleich: Eine Arbeiterin braucht 21 Tage, eine Drohne 24. Die Königin ist damit nicht nur das größte, sondern auch das am schnellsten entwickelte Tier im Volk.

Der Unterschied ist das Futter

Arbeiterinnenlarven bekommen nach drei Tagen nur noch Honig und Pollen. Königinnenlarven werden bis zum Schluss mit Weiselfuttersaft (Gelee Royale) versorgt – einem Sekret aus den Kopfdrüsen der Ammenbienen. Dazu kommt die Zelle: Eine Weiselzelle ist eine senkrecht nach unten hängende, deutlich größere Kammer. Futter und Platz entscheiden über die Königin, nicht das Erbgut.

Drei Wege zu einer neuen Königin

Für den Imker ist wichtig, welche Art von Weiselzelle er vor sich hat – sie erzählt die Vorgeschichte des Volkes:

Zelltyp Wo sie sitzt Anzahl Auslöser
Schwarmzelle am Wabenrand, oft an der Unterkante 5–30 Schwarmtrieb, Platzmangel
Nachschaffungszelle mitten auf der Brutwabe, aus einer Arbeiterinnenzelle umgebaut oft viele plötzlicher Verlust der Königin
stille Umweiselung am Rand oder einzeln auf der Wabe 1–3 nachlassende Leistung der alten Königin

Schwarmzellen heißen so, weil das Volk anschließend schwärmt. Nachschaffungszellen entstehen in einer Notsituation: Ist die Königin verloren gegangen, bauen die Bienen aus jüngster Brut hektisch neue Königinnen heran – das Ei darf dafür nicht älter als drei Tage sein. Umweiselungszellen sind das Zeichen eines Volkes, das seine Königin ersetzt, ohne zu schwärmen.

Der Begattungsflug: einmal im Leben, dann nie wieder

Nach dem Schlupf ist die junge Königin noch keine Königin im eigentlichen Sinn: Sie ist geschlechtsreif, aber unbegattet – und kann ohne Samenvorrat keine Arbeiterinnen hervorbringen. Deshalb unternimmt sie nach fünf bis sieben Tagen erste Orientierungsflüge, um Stock und Umgebung kennenzulernen.

Dann folgt der eigentliche Begattungsflug, meist zwischen dem fünften und zehnten Tag nach dem Schlupf. Die Königin fliegt zu einem Drohnensammelplatz, der durchaus zwei Kilometer entfernt liegen kann, und paart sich dort im Flug mit mehreren Drohnen – je nach Quelle sind es 8 bis 20, im Durchschnitt etwa 17. Die Drohnen sterben nach der Paarung. Ihr Sperma wird in der Spermathek der Königin gespeichert und reicht für ihr gesamtes Leben – sie wird nie wieder zu einem Paarungsflug ausfliegen.

Was dabei in den Samenbehälter kommt, bestimmt die Qualität für Jahre: Eine Königin, die nur von wenigen Drohnen begattet wurde, bringt weniger genetische Vielfalt ins Volk – das macht anfälliger. Deshalb ist die kontrollierte Begattung auf einer Belegstelle in der Zucht so wichtig.

Warum das Wetter über die Königin entscheidet

Begattungsflüge finden nur bei sonnigem, warmem und windstillem Wetter statt – erst ab etwa 20 °C. Bleibt das Wetter über zwei Wochen schlecht, kann die Königin ihren Flug nicht antreten. Die Folge: Sie bleibt unbegattet, beginnt trotzdem mit der Eiablage und legt aus unbefruchteten Eiern nur Drohnen. Der Imker spricht von einer drohnenbrütigen Königin – ein Volk, das sich nicht mehr selbst erneuern kann und dringend eine neue Königin braucht.

Was eine gute Königin leistet

Bis zu 2.000 Eier am Tag

In der Hochsaison legt eine gute Königin in der Spitze bis zu 2.000 Eier pro Tag, über die Saison gerechnet 1.000 bis 1.200. Das ist etwa ein Ei pro Minute – und in der Summe mehr, als sie selbst wiegt. Eier, Larven und Puppen machen im Frühjahr einen großen Teil des Stockgewichts aus: Das Brutnest ist die eigentliche Leistung des Volkes.

Das Brutnest verrät die Qualität

Du musst eine Königin nicht fangen, um sie zu beurteilen. Ein Blick auf die Brutwabe genügt: Ein geschlossenes, gleichmäßiges Brutnest – Zelle an Zelle, ohne Lücken und ohne Drohnenzellen mitten im Arbeiterinnenbrutbereich – ist das beste Zeugnis. Lücken deuten auf eine nachlassende Königin hin oder auf Brutkrankheiten.

Wie alt darf eine Königin werden?

Königinnen leben im Durchschnitt ein bis zwei Jahre, in Ausnahmefällen deutlich länger. Für die Praxis zählt etwas anderes: Die Legeleistung sinkt ab dem dritten Jahr, weil der Samenvorrat zur Neige geht und die Zahl unbefruchteter Eier steigt. Deshalb tauschen viele Imkerinnen und Imker ihre Königinnen nach ein bis zwei Jahren aus – siehe dazu unsere Praxisanleitung Umweiseln nach Jahreszeiten. Ein Volk, das von selbst umweiselt, sagt dir damit meist: Die alte Königin ist am Ende.

Königin finden und zeichnen: der Farbcode

Wer seine Königin zeichnet, findet sie bei der Durchsicht in Sekunden statt in Minuten – und sieht ihr Alter auf einen Blick. Die Farbe folgt einem international einheitlichen Fünf-Jahres-Zyklus nach der Endziffer des Schlupfjahres:

Schlupfjahr endet auf Farbe Beispiel
1 oder 6 weiß 2026
2 oder 7 gelb 2027
3 oder 8 rot 2028
4 oder 9 grün 2024
5 oder 0 blau 2025

Der Merksatz dazu: Weiße Gelbe Rote Grüne Blaue. Für 2026 ist also Weiß die richtige Farbe. Gezeichnet wird mit einem Opalithplättchen oder einem Markierstift – ein kleiner Punkt von etwa zwei Millimetern, mittig auf das Bruststück (Thorax), nie auf den Hinterleib. Die Farbe muss kurz antrocknen, bevor die Königin zurück ins Volk darf.

Woran du erkennst, dass etwas nicht stimmt

  • Unruhe und Brummen: Ein Volk ohne Königin klingt anders – lauter und fahriger. Das ist oft der erste Hinweis, noch bevor du die Waben ziehst.
  • Nachschaffungszellen mitten auf der Wabe: Sie sind zahlreich und entstehen aus normalen Brutzellen. Hier ist Eile geboten – entweder eine Zelle stehen lassen oder eine neue Königin zusetzen.
  • Ein bis drei Weiselzellen am Wabenrand: Meist keine Schwarmstimmung, sondern eine stille Umweiselung. Kein Grund zur Panik, aber ein Zeichen, dass die alte Königin nicht mehr überzeugt.
  • Nur Drohnenbrut, keine Arbeiterinnenbrut: Entweder eine unbegattete oder eine erschöpfte Königin. Ohne Eingriff geht das Volk zugrunde.
  • Mehrere Eier pro Zelle, am Zellrand klebend: Ein Alarmzeichen. Das sind meist Afterweisel. Hier hilft nur noch das Auflösen des Volkes oder das Vereinigen mit einem weiselrichtigen Volk.
  • Lückenhaftes Brutnest: Kein akuter Notfall, aber ein Hinweis auf eine Königin, deren Zeit zu Ende geht.

In der Schwarmzeit lohnt es sich, die Völker mindestens alle acht bis neun Tage zu kontrollieren. Wer nur alle zwei Wochen nachsieht, findet die Schwarmzellen oft erst, wenn sie bereits verdeckelt sind – dann ist die alte Königin schon unterwegs oder die Zellen lassen sich nicht mehr gefahrlos brechen.

Was das für unsere Imkerei bedeutet

Die Königin bestimmt die Genetik, aber nicht das Gelingen. Wir können ihr nicht vorschreiben, wie viele Eier sie legt – wir können nur dafür sorgen, dass die Bedingungen stimmen: eine Königin aus guter Zucht mit gesicherter Begattung, ein Standort mit ausreichend Tracht, sauberer Wabenbau und ein Volk, das nicht durch Varroa geschwächt ist.

Deshalb schauen wir bei jeder Durchsicht zuerst auf das Brutnest, nicht auf die Honigwabe. Ein gleichmäßig bestiftetes Brutnest im Mai ist die verlässlichste Zusage für die Ernte im Juli. Und wenn ein Volk still umweiselt, nehmen wir das als Hinweis an, statt es zu übergehen – die Bienen wissen meist früher als wir, wann eine Königin am Ende ist.

Du willst selbst nachziehen? Dann findest du die Grundlagen in unseren Artikeln Königinnenzucht für kleine Imkereien und Zuchtvolk erstellen.


Hast du Fragen zu deiner Königin, zur Begattung oder zur Zucht? Schreib uns – wir antworten direkt aus der Imkerei in Dietersdorf.