Königinnenzucht für kleine Imkereien: Vom Umlarven bis zum Zusetzen
Als Hobbyimker mit 10 Bienenstöcken denkst du vielleicht: Königinnenzucht ist nur was für große Profibetriebe. Aber das stimmt nicht! Gerade als kleiner Imker profitierst du enorm davon, deine eigenen Königinnen zu ziehen. Du verbesserst deine Völker, sparst Geld und lernst unglaublich viel über Bienen. Hier erfährst du, wie es geht – Schritt für Schritt, vom Umlarven bis zum erfolgreichen Zusetzen.
Warum Königinnenzucht für kleine Imkereien?
Mit 10 Völkern bist du in der perfekten Größe für eigene Königinnenzucht. Du brauchst jedes Jahr neue Königinnen – sei es als Ersatz für alte oder schwache Königinnen, für Ableger oder als Reserve für Notfälle.
Die Vorteile liegen auf der Hand:
Kosten sparen: Eine gekaufte Königin kostet 40-70 Euro. Wenn du 5-10 Königinnen pro Jahr brauchst, sind das 200-700 Euro. Selbst gezüchtete Königinnen kosten dich nur Material und Zeit.
Selektion: Du kannst von deinen besten Völkern nachziehen – die sanftesten, produktivsten, vitalen. So verbesserst du Jahr für Jahr deine Genetik.
Unabhängigkeit: Du musst nicht warten, bis der Züchter liefert. Du züchtest dann, wenn du Zeit hast und wenn es ins Bienenjahr passt.
Lerneffekt: Königinnenzucht ist Biologie pur. Du verstehst Bienen auf einer ganz neuen Ebene.
Selektion: Auch für kleine Imker wichtig
„Ich hab doch nur 10 Völker, da lohnt sich Selektion nicht“ – ein Irrtum! Gerade weil du wenige Völker hast, macht jedes einzelne einen großen Unterschied.
Was solltest du selektieren?
Sanftmut: Das wichtigste Merkmal für Hobbyimker. Aggressive Völker sind in Wohngebieten unmöglich. Ziehe nur von Völkern nach, die ruhig auf den Waben sitzen und nicht stechen.
Schwarmträgheit: Völker, die jedes Jahr schwärmen, machen Arbeit. Völker, die nicht schwärmen, sind angenehmer zu imkern.
Vitalität: Starke Völker, die gut überwintern, wenig Probleme mit Krankheiten haben und zügig wachsen.
Honigleistung: Sekundär, aber auch wichtig. Völker, die gut sammeln, sind wirtschaftlicher.
Wie selektierst du? Ganz einfach: Führe Stockkarten. Notiere dir zu jedem Volk: Wie sanft? Wie stark? Geschwärmt? Krankheiten? Honigertrag? Im Frühling schaust du dir deine Notizen an und wählst die 2-3 besten Völker als Muttervölker aus.
Standbegattung: Vor- und Nachteile
Als Hobbyimker mit 10 Völkern wirst du wahrscheinlich auf Standbegattung setzen. Das bedeutet: Deine jungen Königinnen fliegen zum Hochzeitsflug und paaren sich mit Drohnen aus der Umgebung.
Vorteile der Standbegattung:
Einfach: Keine Belegstelle, keine Anmeldung, keine Fahrten. Du stellst die Begattungskästchen auf deinen Stand, und die Natur macht den Rest.
Günstig: Keine Kosten für Belegstellengebühren oder Fahrten.
Genetische Vielfalt: Eine Königin paart sich mit 12-20 Drohnen. Bei Standbegattung sind das Drohnen verschiedenster Herkunft – das sorgt für Vielfalt im Volk.
Lokal angepasst: Die Drohnen stammen aus der Region und sind an dein Klima angepasst.
Nachteile der Standbegattung:
Keine Kontrolle: Du weißt nicht, mit welchen Drohnen sich deine Königin paart. Wenn in der Umgebung aggressive oder schlechte Völker stehen, kann das die Nachzucht beeinflussen.
Qualität schwankt: Manche Königinnen sind super, andere weniger. Du brauchst mehr Königinnen als Reserve.
Rückkreuzung möglich: Wenn du selbst viele Drohnen produzierst und nur von wenigen Müttern nachziehst, kann es zu Inzucht kommen.
Für die meisten Hobbyimker überwiegen die Vorteile. Du kannst die Nachteile abmildern, indem du:
– Von verschiedenen Muttervölkern nachziehst (nicht nur von einer)
– Regelmäßig neue Genetik einkreuzt (alle 2-3 Jahre eine Königin von einem Züchter kaufst)
– Deine Nachzucht kritisch bewertest und schlechte Königinnen austauschst
Timeline: Vom Umlarven bis zum Zusetzen
Hier kommt die detaillierte Zeitübersicht. Tag 0 ist der Tag, an dem du umlarfst.
Tag 0: Umlarven
Was passiert: Du entnimmst jüngste Larven (max. 24 Stunden alt) aus dem Muttervolk und setzt sie in Weiselzellen (Zuchtbecher) um, alternativ kannst du auch Zuchtsysteme von Jenter oder Nicot verwenden.
Vorbereitung vorher: Pflegevolk vorbereiten (weisellos machen oder starkes Volk mit Absperrgitter teilen). Zuchtrahmen mit Zuchtbechern vorbereiten.
→ Ausführliche Anleitung zu Pflegevolk-Methoden (Adamstarter, Sammelbrutableger etc.): Zuchtvolk erstellen: Adamstarter und andere Varianten
Tipp: Umlarven am frühen Nachmittag. Die Bienen nehmen die Larven besser an als morgens.
Tag 1-3: Annahme
Was passiert: Das Pflegevolk entscheidet, welche Larven es zu Königinnen aufzieht. Es füttert sie mit Gelée Royale und beginnt, die Zellen zu vergrößern.
Dein Job: Nichts. Lass die Bienen arbeiten. Kein Stress, keine Kontrolle.
Tag 5-6: Nachschau
Was passiert: Die Zellen sind jetzt deutlich sichtbar, die Larven schwimmen im Gelée Royale.
Dein Job: Kontrolliere, wie viele Zellen angenommen wurden. Mit 10-15 Zellen bist du gut dabei. Nicht angenommene Becher entfernen.
Tag 10: Verdeckelung
Was passiert: Die Bienen verdeckeln die Weiselzellen. Die Larven verpuppen sich.
Dein Job: Wenn du willst, kannst du jetzt die Weiselzellen in Begattungskästchen oder weisellose Ableger umhängen. Oder du lässt sie im Pflegevolk bis zum Schlupf.
Tag 16: Schlupf
Was passiert: Die jungen Königinnen schlüpfen. Sie sind noch unfruchtbar und müssen erst zum Hochzeitsflug.
Dein Job: Wenn die Königinnen im Pflegevolk geschlüpft sind, musst du sie SOFORT entnehmen und einzeln in Begattungskästchen (Apidea, Kieler Begattungskästchen) oder kleine Ableger setzen. Sonst kämpfen sie untereinander, und nur eine überlebt.
Wichtig: Schlüpfende Königinnen niemals gemeinsam in einem Volk lassen!
Tag 16-20: Orientierung
Was passiert: Die junge Königin orientiert sich, fliegt kleine Runden ums Begattungskästchen, gewöhnt sich an den Standort.
Dein Job: Begattungskästchen mit genug Bienen und Futter versorgen (mindestens 300-500 Bienen). Nicht öffnen, nicht stören.
Tag 21-28: Begattungsflüge
Was passiert: Die Königin fliegt an mehreren Tagen zum Hochzeitsflug. Sie paart sich mit 12-20 Drohnen in der Luft. Nach erfolgreicher Paarung ist sie begattet und beginnt wenige Tage später mit der Eiablage.
Dein Job: Abwarten. Beten für gutes Wetter. Bei Regenwetter verzögert sich alles.
Risiko: Einige Königinnen kehren nicht zurück (Vogel, schlechte Orientierung, schlechtes Wetter). Rechne mit 20-30% Verlust.
Tag 28-35: Erste Eilage
Was passiert: Die begattete Königin beginnt zu legen. Erst wenige Eier, dann mehr.
Dein Job: Kontrolliere vorsichtig: Sind Eier da? Ist das Brutnest ordentlich (kein Drohnenbrütiger)? Wenn ja: Herzlichen Glückwunsch, du hast eine Königin!
Ab Tag 35: Zusetzen
Was passiert: Die Königin ist jetzt produktiv und kann in ein weisellos gemachtes Volk zugesetzt werden.
Dein Job: Altes Volk weisellos machen (alte Königin entfernen), 2-3 Tage warten, dann neue Königin zusetzen.
Zusammenfassung Timeline
html
| Tag | Ereignis | Aktion |
|---|---|---|
| 0 | Umlarven | Larven in Zuchtbecher umsetzen |
| 1-3 | Annahme | Warten, nicht stören |
| 5-6 | Nachschau | Angenommene Zellen zählen |
| 10 | Verdeckelung | Optional: Zellen umhängen |
| 16 | Schlupf | Königinnen vereinzeln! |
| 16-20 | Orientierung | Begattungskästchen versorgen |
| 21-28 | Begattung | Abwarten, gutes Wetter hoffen |
| 28-35 | Eilage | Kontrolle: Eier vorhanden? |
| 35+ | Zusetzen | In weisellose Völker einweiseln |
Gesamtdauer: 5-6 Wochen von der Larve bis zur eierlegenden Königin.
Aufbewahrung der geschlüpften Königinnen
Du hast jetzt 10 geschlüpfte Königinnen – aber brauchst nur 5. Wohin mit dem Rest?
Option 1: Begattungskästchen (Empfohlen)
Jede Königin bekommt ein eigenes Begattungskästchen (z.B. Apidea, Kieler Begattungskästchen) mit 300-500 Bienen und einer Futterwabe. Dort kann sie begattet werden, Eier legen und bleibt gesund bis zum Zusetzen.
Vorteil: Die Königin ist aktiv, produktiv und einsatzbereit. Du hast mehrere Wochen Zeit, sie zuzusetzen.
Nachteil: Du brauchst mehrere Begattungskästchen und entsprechend Bienen.
Option 2: Mini-Plus oder kleine Ableger
Ähnlich wie Begattungskästchen, nur größer. Hier können die Königinnen länger bleiben, sogar überwintern.
Vorteil: Größere Völker sind stabiler. Königinnen können länger „gelagert“ werden.
Nachteil: Mehr Aufwand, mehr Material.
Option 3: Zwischenlagerung in Käfigen (Nur kurz!)
Unbegattete Königinnen können für wenige Tage in Zusetzkäfigen mit Begleitbienen gehalten werden. Aber nur kurz – maximal 3-5 Tage. Länger ist Tierquälerei.
Wichtig: Königinnen sind Lebewesen, keine Lagerware. Sie brauchen Bienen, Futter, Bewegung. Plant rechtzeitig, wohin mit den Königinnen!
Einweiseln in weisellose Völker
Du hast eine begattete, eierlegende Königin – jetzt soll sie in ein Volk. So geht’s:
Schritt 1: Volk weisellos machen
Entferne die alte Königin. Suche sie ab, finde sie, nimm sie heraus. Optional: Gib ihr in einem Ableger eine zweite Chance, oder… (das überlasse ich dir).
Schritt 2: 2-3 Tage warten
Das Volk merkt, dass es weisellos ist. Die Bienen werden unruhig, suchen die Königin. Manche Völker beginnen, Nachschaffungszellen zu bauen – das ist okay, die brechen wir später.
Wichtig: Nicht länger als 3-4 Tage warten, sonst entstehen zu viele Nachschaffungszellen.
Schritt 3: Nachschaffungszellen ausbrechen
Am Tag vor dem Zusetzen: Alle Nachschaffungszellen sorgfältig ausbrechen. Jede einzelne. Wenn eine übersehen wird, tötet sie später die neue Königin.
Schritt 4: Königin zusetzen
Variante A – Im Käfig mit Futterteig (Klassisch):
Die Königin kommt in einen Zusetzkäfig (kleiner Käfig mit Futterteig-Verschluss). Den Käfig zwischen zwei Waben hängen. Die Bienen fressen den Futterteig auf, und nach 2-3 Tagen ist die Königin frei.
Vorteil: Sanft, hohe Erfolgsquote. Die Königin nimmt den Duft des Volkes an, während sie im Käfig ist.
Variante B – Direkt zusetzen (Riskant):
Die Königin wird direkt auf eine Wabe gesetzt, am besten auf offene Brut. Sie läuft ins Volk.
Vorteil: Schnell.
Nachteil: Risiko, dass die Bienen sie töten (Stachelkugel).
Variante C – Mit Rauch und Honig (Alte Methode):
Königin mit Honig bestreichen, Volk einräuchern, Königin direkt rein. Im Chaos nehmen die Bienen sie an.
Empfehlung für Anfänger: Variante A (Zusetzkäfig). Sicher und bewährt.
Schritt 5: Kontrolle nach 5-7 Tagen
Schaue nach, ob die Königin noch lebt und Eier legt. Wenn ja: Gratulation! Wenn nicht: Nachschaffungszellen suchen, brechen, neue Königin probieren.
Häufige Fehler vermeiden
Fehler 1: Zu alte Larven umlarven
Nur die jüngsten Larven (max. 24 Stunden) ergeben gute Königinnen. Ältere Larven bringen minderwertige Königinnen.
Fehler 2: Zu wenig Bienen im Pflegevolk
Ein schwaches Pflegevolk kann keine Königinnen aufziehen. Nimm ein starkes Volk mit mindestens 8-10 Waben.
Fehler 3: Schlechtes Wetter zur Begattungszeit
Wochenlanger Regen = keine Begattungsflüge = unbegattete Königinnen. Plane die Zucht auf gutes Wetter (Mai/Juni ist ideal).
Fehler 4: Nachschaffungszellen übersehen beim Einweiseln
Wenn auch nur eine Nachschaffungszelle übersehen wird, ist die neue Königin verloren.
Fehler 5: Zu früh kontrollieren
Nach dem Zusetzen mindestens 5 Tage Ruhe geben. Zu viel Stress stört die Annahme.
Material: Was brauchst du?
Für Königinnenzucht brauchst du nicht viel:
– Umlarvlöffel (Schweizer Umlarvlöffel oder chinesisches Umlarv-Tool)
– Zuchtbecher (Kunststoff oder Wachs)
– Zuchtrahmen (Holzrähmchen mit Leisten für Zuchtbecher)
– Begattungskästchen (2-5 Stück, z.B. Apidea)
– Zusetzkäfige (mit Futterteig)
– Optional: Zeichenstift für Königinnen (farbig markieren nach Jahrgang)
Kosten:** ca. 100-200 Euro Erstinvestition. Danach nur noch Verschleiß.
Fazit: Mach es einfach!
Königinnenzucht klingt kompliziert. Ist es am Anfang auch ein bisschen. Aber nach der ersten Saison hast du den Dreh raus. Die Erfolgserlebnisse sind riesig: Du hältst eine selbst gezüchtete, eierlegende Königin in der Hand und weißt: Das hab ich gemacht.
Mit 10 Völkern bist du in der perfekten Größe. Du brauchst die Königinnen sowieso. Du kannst selektieren. Du lernst enorm viel.
Also: Probier es aus. Larve dich um. Züchte deine Königinnen. Und wenn die erste erfolgreich Eier legt – feier das!
—
*Fragen zur Königinnenzucht? Brauchst du Tipps zu Material oder Ablauf? Schreib uns – wir helfen gerne!*
