Als wir vor einigen Jahren mit der Imkerei begonnen haben, war uns eines von Anfang an klar: Wir wollen nicht einfach nur Honig ernten. Wir wollen imkern – im echten Sinne des Wortes. Das bedeutet für uns: die Bienen verstehen, ihre Bedürfnisse ernst nehmen, und die Natur um uns herum nicht nur zu nutzen, sondern aktiv zu fördern. Bienen sind keine Honigmaschinen. Sie sind hochkomplexe Lebewesen, die in einem empfindlichen Gleichgewicht mit ihrer Umgebung leben – und dieses Gleichgewicht zu erhalten, ist unsere Verantwortung als Imker.
Aus diesem Grundverständnis heraus war es irgendwann nur noch ein kleiner Schritt: Wenn wir schon so wirtschaften, warum dann nicht auch offiziell? Der Wunsch, biologischen Honig zu produzieren, entstand nicht aus Marketingüberlegungen – er war die logische Konsequenz unserer Arbeitsweise.
Was BIO wirklich bedeutet
Bio ist kein Label, das man sich einfach anheftet. Biologische Produktion bedeutet die konsequente Umsetzung, lückenlose Dokumentation und externe Kontrolle jedes einzelnen Arbeitsschrittes – und das entlang der gesamten Wertschöpfungskette, vom Bienenstand bis zum abgefüllten Glas.
Für die Imkerei gilt dabei ein eigenes Regelwerk. Neben den allgemeinen Vorschriften, die ohnehin für alle Imker:innen gelten, gibt es EU-weit verbindliche Bio-Verordnungen. Wir haben uns zusätzlich entschieden, die noch strengeren Kriterien von Bio Austria zu erfüllen – dem größten Bio-Verband Österreichs, der für besonders hohe Standards bekannt ist.
Was das im Alltag konkret heißt? Jede Behandlung wird dokumentiert. Jeder Zukauf muss nachweislich bio-zertifiziert sein. Die Materialien, die mit Bienen und Honig in Berührung kommen, sind auf Holz, Edelstahl und Glas beschränkt. Synthetische Medikamente sind tabu. Und die Bienen selbst müssen ausreichend Naturbau machen dürfen – bei uns liegt dieser Anteil bei rund 50 % und mehr, weit über dem vorgeschriebenen Minimum von 10 %.
Der Weg von der Absicht zur Zertifizierung
Vom ersten Gedanken bis zur offiziellen Zertifizierung ist es ein weiter, aber lohnenswerter Weg. Ende 2025 haben wir den entscheidenden Schritt gemacht: Wir haben einen Vertrag mit der Bio-Kontrollstelle BIOS abgeschlossen und sind dem Verband Bio Austria beigetreten. BIOS ist eine akkreditierte Kontrollstelle, die österreichische Bio-Betriebe jährlich prüft – unangekündigt, gründlich und mit klaren Konsequenzen bei Verstößen.
Unsere erste Kontrolle im Frühjahr 2026
Im Frühjahr 2026 war es soweit: unsere erste offizielle Kontrolle. Die Kontrolleurin besuchte unsere Bienenstände direkt vor Ort – sie begutachtete die Beuten, die Aufstellung, die verwendeten Materialien. Gleichzeitig wurden unsere Unterlagen geprüft: Behandlungsaufzeichnungen, Zukaufsnachweise, Fortbildungsnachweise. Und natürlich wurden Wachsproben gezogen – ein wichtiger Teil der Biokontrolle, denn Bienenwachs speichert Rückstände über Jahre und ist damit ein ehrlicher Zeuge der Imkereipraxis.
Damit hat unser sogenanntes Umstellungsjahr begonnen. Das bedeutet: Wir halten uns an alle Bio-Auflagen, führen alle vorgeschriebenen Aufzeichnungen – aber unsere Produkte dürfen noch nicht als biologisch vermarktet werden. Erst nach der erfolgreichen Folgekontrolle im Jahr 2027 ist es soweit. Das klingt streng, und das ist es auch. Aber genau das gibt dem Bio-Siegel seinen Wert.
Was das für unsere Imkerei bedeutet
Die vollständigen aktuellen Richtlinien von Bio Austria findet ihr hier: bio-austria.at – Richtlinien
Einige der wichtigsten Punkte für unsere tägliche Arbeit:
- Bio-zertifizierte Zukäufe: Königinnen, Zucker für die Winterfütterung, Verpackungen – alles muss ebenfalls bio-zertifiziert sein oder aus kontrollierter Herkunft stammen.
- Natürliche Materialien: Beuten, Rähmchen, Lagergefäße und alles, was mit Bienen und Honig in Kontakt kommt, muss aus Holz, Edelstahl oder Glas bestehen. Kunststoffe sind nicht erlaubt.
- Keine synthetischen Medikamente: Zur Varroabehandlung setzen wir ausschließlich auf zugelassene organische Säuren – Oxalsäure und Ameisensäure. Keine chemisch-synthetischen Akarizide.
- Regelmäßige Fortbildung: Bio-Imkerei erfordert nicht nur guten Willen, sondern auch aktuelles Wissen. Fortbildungsnachweise sind verpflichtend.
- Naturbau: Mindestens 10 % der Wabenfläche müssen die Bienen frei einbauen können – ohne vorgegebene Mittelwände. Bei uns liegt dieser Anteil deutlich höher, weil wir überzeugt sind, dass Naturbau die Gesundheit des Volkes stärkt.
- Dokumentation: Jede Maßnahme, jede Behandlung, jeder Zukauf wird schriftlich festgehalten. Das klingt bürokratisch – ist aber die Grundlage für jede glaubwürdige Kontrolle.
Unsere Zertifizierung
Unsere Kontrollstellennummer lautet: (wird nach Ausstellung ergänzt)
Aktuelle Zertifikate findet ihr hier: (wird nach Ausstellung verlinkt)
Wir sind überzeugt: Bio ist kein Ziel, das man einmal erreicht und dann abhakt. Es ist eine Haltung, die man täglich neu bestätigt – durch Entscheidungen, die nicht immer die einfachsten sind, aber die richtigen.
