Naturgarten: Lebensraum für Biodiversität statt grüner Rasen

In Zeiten, in denen unsere Gärten allerdings zu Rückzugsgebieten für die Biodiversität geworden sind, kann dies kaum als schmeichelhafte Werbung gelten. Es vermittelt auch einen grundlegend falschen Eindruck.

Längst ist der grüne Rasen in Verruf geraten, ebenso wie der Mähroboter und dennoch werden sie gehegt und gepflegt. Als Statussymbol ist der von den englische Gärten des englischen Adels entlehnte Garten tief in unserer kulturellen Wahrnehmung verankert. Rasen muss man sich leisten können und wollen – im Gegensatz zum faulen Gärtner des Naturgartens.

Diese Perspektive blendet aber vieles aus. Wer sich Rasen leistet, leistet sich auch einen Abbau und Verbrauch an Ressourcen: dringend benötigtes Wasser wird zum bewässern benötigt; Fläche, welche bedrohte Arten dringend benötigen würden, wird für diese de facto grün betoniert.
Auch einen Naturgarten muss man sich leisten können und wollen. Doch wird hier kein Raubbau an einer schon belasteten Natur begangen. Es benötigt aber eine bewusste Auseinandersetzung mit der vorhandenen Natur – ein bewusstes Arbeiten und Pflegen des Vorhandenen. Gestaltung im Naturgarten ist dabei als kreatives, lebendiges, sich selbst entwickelndes Element möglich und wichtig. Welche Pflanzen ergänzt oder entnommen werden, ist eine bewusste Entscheidung, die gut recherchiert werden will. Der einfache Griff ins Regal des Blumenmarktes wird zu oft mit ungeeigneten Pflanzen oder sogar Neophyten enden. Auch ein Naturgarten ist Kulturlandschaft, die sorgsam kuratiert und gepflegt werden kann im Einklang mit der Natur und seinen Lebenwesen.

Ein Blühstreifen, ein Blumenbeet sind ein erster Schritt, aber sie sind kein Ersatz. In Österreich gibt es Hunderte verschiedener Wildbienen-Arten, die zum Teil höchst spezialisiert auf bestimmte Pflanzenarten sind. Die Vielfalt dieses Nektarangebots ist in einem Blumenbeet schwer zu ersetzen. Auch die Honigbienen sind für ihre Gesundheit auf ein vielfältiges Pollenangebot angewiesen. Doch der Nektar ist nur ein Teil des Angebots, das ein Naturgarten zur Verfügung stellt. Wo schlafen Wildbienen? Wo halten sie sich auf, wenn es regnet? Viele von ihnen benutzen die Unterseite von Blättern unterschiedlicher Blumen. Doch noch wichtiger: wo nisten sie und wie überstehen sie den Winter? Offener Boden, Sand, vertrocknete Blütenstängel, Mauerspalten, leere Schneckenhäuser, Totholz – so unterschiedlich die Wildbienen, so unterschiedlich ihre Anforderungen an ihre Nistplätze. Nichts davon findet sich auf einem Rasen oder in einem aufgeräumten, „sauberen“ Garten.
Wer einen Naturgarten gestalten will, muss auch seine Bewohner und ihre Bedürfnisse kennen – und das sind bei weitem nicht nur Bienen. Es ist eine faszinierende Welt, die einlädt entdeckt zu werden.
Im Gegenzug wird der Naturgarten dich jeden Tag mit Neuem überraschen: neue Tiere, neue Pflanzen – nichts ist statisch, Schönheit wird immer wieder neu kreiert.