A peaceful winter scene featuring snow-blanketed trees and a tranquil field.

Winterzeit in der Imkerei: Was Imker tun, wenn die Bienen ruhen

Wenn im Herbst die Temperaturen sinken und die letzten Blüten verblühen, beginnt für unsere Bienen die Winterruhe. Aber für uns Imker bedeutet der Winter keineswegs Pause – im Gegenteil! Gerade in der kalten Jahreszeit gibt es wichtige Aufgaben, die den Grundstein für ein erfolgreiches Bienenjahr legen.

Die Bienen gehen in Winterruhe

Ab Oktober ziehen sich die Bienen zu einer kompakten Wintertraube zusammen. Die Königin stellt die Eiablage ein, und das Volk schrumpft auf etwa 10.000 bis 15.000 Winterbienen – deutlich weniger als die 50.000 oder mehr im Sommer. Diese Winterbienen haben eine besondere Aufgabe: Sie müssen bis zum Frühjahr durchhalten und die Königin schützen.

In der Wintertraube halten die Bienen durch ständige Muskelbewegung eine Temperatur von etwa 25 Grad Celsius. An kalten Tagen rücken sie enger zusammen, an milden Tagen lockert sich die Traube. Dieser Prozess funktioniert erstaunlich gut – solange wir Imker unsere Arbeit gemacht haben.

Varroabehandlung: Die wichtigste Winteraufgabe

Die größte Herausforderung in der modernen Imkerei ist die Varroamilbe. Diese winzige Parasiten schwächen die Bienen und übertragen Viren. Im Sommer können wir wegen der Honigernte nicht mit organischen Säuren behandeln – aber im Winter, wenn keine Brut mehr im Stock ist, ist der ideale Zeitpunkt.

Ende November bis Anfang Dezember, bei den ersten längeren Kälteperioden, behandeln wir mit Oxalsäure. Diese Träufelbehandlung ist für die Bienen gut verträglich, tötet aber die Milben ab. Es ist ein entscheidender Moment: Eine gute Winterbehandlung kann über Wohl und Wehe des Volkes entscheiden.

Gewichtskontrolle und Futterkontrolle

Im Winter fressen die Bienen ihre eingelagerten Vorräte. Ein durchschnittliches Volk benötigt etwa 15 bis 20 Kilogramm Honig, um über den Winter zu kommen. Wir kontrollieren regelmäßig das Gewicht der Beuten – entweder durch Kippen oder mit einer Kofferwaage.

Fühlt sich eine Beute zu leicht an, müssen wir eingreifen. Notfütterung im Winter ist möglich, aber heikel: Die Bienen müssen das Futter erreichen können, ohne die schützende Traube zu verlassen. Deshalb legen wir Futterteig direkt auf die Rähmchen über der Wintertraube. So können die Bienen bei Bedarf nach oben wandern und Futter aufnehmen, ohne zu erfrieren.

Mäuseschutz und Wetterschutz

Mäuse suchen im Winter gerne Unterschlupf – und ein warmer Bienenstock ist aus Mäusesicht ein perfektes Winterquartier. Deshalb bringen wir im Herbst Mäusegitter am Flugloch an. Diese engmaschigen Gitter lassen Bienen passieren, halten aber Mäuse draußen.

Auch Spechte können im Winter ein Problem werden. Die hungrigen Vögel hämmern manchmal Löcher in die Beuten, um an die Bienen zu kommen. In unserem Gebiet rund um Sieghartskirchen ist das zum Glück selten, aber bei exponierten Ständen schützen wir die Beuten mit Drahtgittern oder Wellblech.

Ruhe für die Bienen, Arbeit für den Imker

Während die Bienen ruhen, nutzen wir die Zeit für all die Arbeiten, die im Sommer liegen bleiben: Waben ausschmelzen und neuen Mittelwände gießen, Rähmchen reparieren und drahten, Beuten streichen und ausbessern, Werkzeug warten und Smoker reinigen.

Auch die Planung für das kommende Jahr gehört dazu: Wo wollen wir neue Völker aufstellen? Welche Königinnen müssen ausgetauscht werden? Brauchen wir neue Ausrüstung? Der Winter ist die Zeit, in der wir uns vorbereiten – damit wir im Frühjahr, wenn es wieder losgeht, optimal aufgestellt sind.

Honigvermarktung und Kundenkontakt

Während die Bienen schlafen, läuft unser Honigverkauf auf Hochtouren. Die Weihnachtszeit ist traditionell eine starke Verkaufszeit: Honig als Geschenk, für die Weihnachtsbäckerei, als regionales Produkt auf Adventmärkten.

Wir nutzen die Zeit auch, um unseren Kundenstamm zu pflegen: Weihnachtskarten verschicken, unsere Website aktualisieren, Social Media bespielen. Der persönliche Kontakt zu unseren Kunden ist uns wichtig – und im Winter haben wir mehr Zeit dafür als in der hektischen Sommersaison.

Fortbildung und Erfahrungsaustausch

Der Winter ist auch die Zeit der Imkervereine. Bei uns in der Region Tulln finden regelmäßig Stammtische, Vorträge und Schulungen statt. Erfahrene Imker geben ihr Wissen weiter, Jungimker lernen die Grundlagen, und alle tauschen sich über Erfolge und Misserfolge des vergangenen Jahres aus.

Auch Fachliteratur lesen, Videos schauen und sich über neue Entwicklungen in der Imkerei informieren gehört dazu. Die Imkerei ist eine alte Tradition, aber auch eine sich ständig weiterentwickelnde Wissenschaft. Wer mithalten will, muss am Ball bleiben.

Der erste Ausflug: Das Reinigungsflug

An milden Wintertagen, wenn die Temperaturen über 10 Grad steigen, nutzen die Bienen die Gelegenheit für einen Reinigungsflug. Monatelang haben sie ihre Exkremente zurückgehalten – jetzt fliegen sie aus, entleeren sich und kehren erleichtert zurück.

Für uns Imker ist der erste Reinigungsflug ein wichtiger Moment: Wir sehen, welche Völker stark und aktiv sind, welche schwach wirken. Ein Volk, das nicht ausfliegt, obwohl andere es tun, könnte ein Problem haben. Aber eingreifen können wir jetzt nicht – wir notieren es uns und prüfen das Volk im Frühjahr genauer.

Geduld und Vorfreude

Der Winter in der Imkerei ist eine Zeit der Geduld. Wir können nicht in die Beuten schauen, nicht eingreifen, nicht kontrollieren. Wir müssen vertrauen: Vertrauen darauf, dass wir im Herbst alles richtig gemacht haben, dass die Völker stark genug sind, dass genug Futter da ist.

Aber der Winter ist auch eine Zeit der Vorfreude. Mit jedem Tag, der vergeht, rückt der Frühling näher. Die ersten Schneeglöckchen, die ersten Haselnusskätzchen, die ersten warmen Sonnenstrahlen – und dann geht es wieder los. Bis dahin heißt es: Warten, vorbereiten, planen.

Und natürlich: Den Honig vom letzten Jahr genießen!


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